Geschichte

Chronik des Heimat- und Volkstrachtenvereins
„D’Paartaler“ Merching

In der Zeit der Gründung (Weimarer Republik, Geldentwertung, Arbeitslosigkeit, hohe Kriminalität, Radikalisierung der politischen Gruppen) hat sich in der Gesellschaft ein rasanter Wertewandel vollzogen. In diesem Umfeld wollten 12 junge Merchinger Burschen ein Gegengewicht zu all dem schaffen, was zerstörend auf das Heimatliche eingewirkt hat.

Sie haben den Heimat- und Volkstrachtenverein „D`Paartaler“ Merching ins Leben gerufen.

Vor dem Hintergrund der damaligen Wirren und der sich wandelnden Zeit gewinnt das Ziel des Vereins noch zusätzlich an Bedeutung: „Sitt` und Tracht der Alten wollen wir erhalten“. Dieses ist, wie auch der Wahlspruch „Treu dem guten alten Brauch“ bis heute in der Vereinssatzung verankert. Unser Vereinsgruß „Grüß Gott“ und „Pfüat Gott“, bringt zum Ausdruck, daß der Verein in einer christlich geprägten Gesellschaft wurzeln soll.

Damit hat der Gründungsvorstand Thomas Grill mit seinen 11 Kameraden genau das in den Leuten angesprochen, wonach viele in dieser Zeit suchten. Die Mitgliederzahl ist nämlich rasch angewachsen, so daß man an Ostern 1924 das offizielle Gründungsfest mit Standartenweihe zusammen mit 32 Brudervereinen feiern konnte. Dieses große Fest war ein Schlüsselerlebnis für die weitere Entwicklung der Paartaler. Die kulturelle Arbeit wurde weiter verstärkt: heimatgeschichtliche Vorträge, Volksmusik, Lied, Tanz, Laienspiel, Gartenfeste und das erstmalige Wiederaufstellen eines Maibaumes 1925 prägten das noch junge Vereinsleben.

Unterstützung erhielten die Paartaler von der 22-Mann starken Blaskapelle aus Ottmaring.

D' Paartaler 1935

D‘ Paartaler 1935

Bis zum II. Weltkrieg, der die Vereinstätigkeit von 1939 bis 1945 lähmte, ist Josef Jocher dem Verein vorgestanden. Elf mal senkte sich die Fahne am Kriegerdenkmal für einen gefallenen Vereinskameraden.

Nach dem Krieg haben sich die Trachtlerinnen und Trachtler in Merching bald wieder zusammengefunden, um den Heimatgedanken und die Zusammengehörigkeit zu pflegen.

Die Kulturarbeit im Verein nahm bald wieder feste Formen an. Im September 1947 wurde das 25-jährige Gründungsjubiläum festlich begangen. Durch die Blaskapelle Steindorf als aktives Mitglied erfuhr der Verein einen starken Auftrieb.

Etwa um diese Zeit sind die Paartaler, die sich bis dahin in den örtlichen Gastwirtschaften zu ihren Versammlungen und Plattelproben getroffen haben, aus beiden Lokalen verdrängt worden. So wurde der Wunsch nach einem eigenen Trachtenheim zu einer echten Notwendigkeit. Da dem damaligen Vorstand Willi Wenzel der Antrag auf ein gemeindliches Grundstück abgelehnt wurde, haben sich die Paartaler über Monate hinweg nicht einmal zu ihren Versammlungen treffen können. Bis sich dem Verein die Gelegenheit bot, vom Sauerkrautfabrikanten Gustav Sponsel eine Faßhalle zu kaufen.

So kurz nach dem II. Weltkrieg hatte man kein Geld um diese Halle kaufen zu können. Deswegen hat man Herrn Sponsel dann mit 10 cbm Holz bezahlt. Einen Ofen konnte man für 15 Pfund Mehl bekommen. Mit viel Eigenleistung, Sachspenden und tatkräftiger Unterstützung von verschiedenen Gönnern wurde die Halle zum neuen Vereinsheim umgebaut.

Am 06.01.1948 konnte man die erste Monatsversammlung mit Christbaumversteigerung im Trachtenheim feiern. Daß die Geselligkeit, die uns Gott sei Dank bis heute erhalten geblieben ist, auch damals schon gepflegt wurde, zeigt die Beschreibung dieser ersten Versammlung im Protokollbuch: „An Stimmung und Humor fehlte es trotz des Dünnbieres nicht. Früh 02.00 Uhr traten die letzten den Heimweg an“.

Auch über die Zeiten von 1953 bis 1963, als Franz Dosch 1. Vostand war, und von 1963 bis 1969 mit Hans Spicker an der Spitze, kann man über vielfältige Aktivitäten in den Protokollbüchern des Vereines lesen.

Ab 1969 führte Sepp Siefer den Verein. Seine Amtszeit war maßgeblich geprägt vom Bau unseres jetzigen Trachtenheimes. Nachdem beim alten Heim der Grundstückseigentümer gewechselt hatte und es im sanitären Bereich nicht mehr zeitgemäß war mußte sich der Verein wieder einmal eine andere Bleibe suchen. Und diesmal glückte der Versuch, von der Gemeinde ein Grundstück zu bekommen. Nach einem Jahr, im April 1978, konnte man das Bauen anfangen. Noch im gleichen Jahr, am 10.12.1978 die Nikolausfeier als erste Veranstaltung im neuen Heim feiern. Dieses Werk konnte nur gelingen, weil viele Mitglieder und Gönner ihre Arbeitskraft und auch materielle Leistungen unentgeltlich zur Verfügung gestellt haben. Allen voran die beiden damaligen Vorstände, Sepp Siefer und Heinrich Meidert, die bis heute unermüdlich im Vereinsheim arbeiten, und sich um das Heim kümmern. Das Trachtenheim hat sich als Versammlungs- und Übungsort der Paartaler, durch Familienfeiern, Tanzveranstaltungen und allen Arten von Vorträgen und Versammlungen der verschiedensten Vereine und Gruppierungen zu einer echten Keimzelle gemeindlichen Lebens und dörflicher Gemeinschaft entwickelt.

Im Jahr 1990 kandidierte Sepp Siefer nach 21 Jahren bei den anstehenden Neuwahlen nicht mehr. Er wurde 1992 zum Ehrenvostand ernannt. In seiner Amtszeit wurden neben dem beschriebenen Trachtenheimbau zahllose Aktivitäten durchgeführt. Unter seiner Regie ist der Verein auch 1980 dem Huosigau beigetreten, bei dem sich die Paartaler seither sehr wohl fühlen.

Von 1990 bis 2002 stand Bernhard Schwab unserem Verein vor.

Ein absoluter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war die Feier des 70-jährigen Gründungsjubiläums im Jahre 1992, bei dem die Paartaler auch die 44. Huosigaufesttage ausgerichtet haben.

Die große Aktivengruppe, die diesen Namen zurecht trägt, veranstaltet seit einigen Jahren mehrmals im Jahr einen Plattlerfrühschoppen, bei dem sich ohne festes Programm die Jugend, die Aktiven, Sänger und Musikanten abwechseln. Auch das in früheren Jahren traditionelle Gartenfest hat man wieder aufleben lassen.

Eine besondere Leistung gelang unserer Jugendgruppe. Sie stellte beim Wertungsplatteln des Huosigaus von 1998 bis 2000 dreimal hintereinander den Gruppensieger und durfte somit den begehrten Wanderpokal behalten. Dieser nicht alltägliche Erfolg ist eng mit dem Namen Meier Bruno sen. verbunden, der sich seit Jahren unermüdlich um die Jugend in unserem Verein bemüht. Bei ihm haben schon viele das Platteln gelernt, und die Aktivengruppe ist zum Großteil, so wie sie sich heute präsentiert, sein Verdienst.

Neben einer Volkstanzgruppe besteht auch noch ein loser Stamm von Theaterspielern, die zum jährlich durchgeführten Heimatabend einen Einakter aufführen.

Vor einigen Jahren haben sich die Paartaler Sänger wieder neu formiert. Sie bestehen in verschiedenen Formationen schon seit 1932, und waren in den 60er, 70er und80er-Jahren weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.

Der Verein 1997

Der Verein 1997

Seit einigen Jahren ist die Meringer Stubenmusi den Paartalern freundschaftlich verbunden. Sie bereichern alljährlich die Heimatabende und Weihnachtsfeiern der Paartaler mit ihren stimmungsvollen Musikstücken und Liedern.

Großer Beliebtheit erfreuen sich auch die Paarrainer. Sieben Musiker aus unserem Verein haben sich vor einiger Zeit zusammen getan, um gemeinsam zu musizieren. Inzwischen ist die kleine Blasmusikgruppe auf einigen Festlichkeiten in- und außerhalb Merchings zu hören.

„Treu dem guten alten Brauch“ und „Sitt` und Tracht der Alten wollen wir erhalten“.